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Wie man aus einer Mücke einen Sprunggelenksbruch macht, Nachtrag

Es war ja nicht damit getan, dass mir jederMenge humoriger Sprüche entgegen gebracht wurden. Zunächst galt es nocheinige Unwägbarkeiten zu durchleben im Krankenhausalltag....

 

Nachdemich mich also damit abgefunden hatte, dass ich gleich unter's Messermußte, wurde ich über die unterschiedlichen Narkosevariantenaufgeklärt. Da ich die Kontrolle nicht ganz verlieren wollte (okay, ich war absoluter OP-Laie), entschied ich mich für eine Spinalanästhesie,auch Rückenmarksnarkose genannt.

Dieüblichen Befürchtungen wie Querschnittslähmung usw. wurden mirgenommen, schließlich käme das ja nur 1: 19.345.256 Millionen Mal(schätzungsweise) vor und man mache das schließlich so oft undüberhaupt. Also gut.

 

Bevorman mich in den OP schob, wollte ich dann doch noch mal schnell auf'sKlo und die Schwester schob mich samt Krankenbett auf's Behinderten-Klound überließ mich meiner selbst und dann konnte ich später klingeln,damit sie mich wieder raus"fuhr". Nun wußte ich also auch wie das imKrankenhaus so funktionierte, wenn man nicht laufen kann.

 

ImOP-Trakt angekommen, stellten sich mir alle vor. Das war sehrfreundlich, wobei ich mir nicht sicher war, ob es nicht immer diegleiche Person war, die sich als "Guten Tag, ich bin OP-SchwesterAngela" oder "Guten Tag, ich bin Schwester Katrin" oder "Guten Tag, ichbin Dr. Hansen" vorstellte, denn sie sah fast immer gleichaus: Grüner Kittel, grüne Haube, grüner Mundschutz aus dem die Wortequollen. Irgendwann stellte sich auch ein grüner Mundschutz vor alsAnästhesistin und noch einer als männliche Anästhesistin. Bis dahin waralles gut und ich fühlte mich sehr gut aufgehoben.

 

Biszu dem Zeitpunkt als ich mich auf die OP-Liege setzen mußte.... und denbeiden Anästhesisten meinen Rücken zuwenden sollte und man das"Einspritzloch" an der Wirbelsäule suchte: "Guck mal, hier mußt Dugucken....hier.....noch'n Stück...also wir machen das immer so in etwada......da mußt Du hin...noch'n bißchen....."

Mirfielen fast die Augen aus dem Kopf (hach, könnte ich doch jetztKarrikaturen zeichnen, ich hätte es vor Augen!) als ich dieseRegie-Anweisungen hörte, die mich an"Schiffe-versenken" erinnerten (Treffer, versenkt...)Mußte ausgerechnet ich an die Anästhesistin geraten, die heute malihre erste Spinalnarkose machen durfte ?????

Ichhatte nicht viel Zeit darüber nachzudenken, da sie mir na klarirgendwelche Drogen gegeben hatten, um mich willenlos und gefügig zumachen und so dämmerte ich dahin.....meinem Schicksal überlassen......

 

Alsich wieder erwachte, galt mein erster Gedanke natürlich meinen Beinen:Werde ich sie noch bewegen können ? Hat sie "Treffer versenkt" oderdaneben gelegen??? Irgendwann merkte ich , trotz der hohen Drogendosis,dass ich noch Beine hatte und es fühlte sich nicht an wiePhantomschmerz (nicht dass ich übertreiben möchte.....aber ein wenigmulmig war mir schon.)

 

Ichkam also auf mein Zimmer und hatte Glück (und sie auch): Auf derUnfallchirurgie sind ja nicht hauptsächlich knackige und rasanteSportler oder Motorradfahrer o.ä. sondern hauptsächlich dieOberschenkelhalsbrüche etc. also ältere Patienten....ich war mitder einzigen Motorradunfallerin der Station auf einem Zimmer undwir waren beide sehr glücklich miteinander.

 

Alsich dann das 1. Mal auf's Klo wollte und nach der Schwester klingelte,um ihr meinen Wunsch mitzuteilen, wunderte ich mich doch sehr, dass sieerstmal wieder aus dem Zimmer ging, anstatt mich gleich mitzunehmen, inmeinem Bett auf Rollen, schließlich durfte ich ja nicht aufstehen dieersten 24 Stunden. Hm, na wahrscheinlich muss sie noch etwas auf demFlur wegräumen, damit wir da durch passen (wie gesagt, ich war echterOP- und Krankenhaus-Laie) !

Nun ja, es hatein Sekündchen gedauert und ein fragendes Gesicht gegeben als siewiederkam und irgendso'n Alu-Teil in der Hand hielt...aber ich habedann irgendwann begriffen....war wohl eine kleine Sonderaktion, dasFahren auf's Klo vor der OP, sozusagen der"Henkers-Klogang"....  

 

Nachdiesem doch sehr festsitzendem Erlebnis vergingen dann die ersten 2oder 3 Tage und ich durfte inzwischen an Krücken über den Gang hüpfen.Während einer dieser Spaziergänge traf ich "meinen" Arzt, also der, dermein Sprunggelenk wieder festgeschraubt hatte. Es kam ein Kollege vonihm vorbei, klopfte ihm auf die Schulter und sagte: "Haben Sie ja gutgemacht; eigentlich hätte sie ja auch ein Stück Kuchen verdient, oder?""Mein" Arzt kicherte etwas verlegen und ich schaute dem Kollegen etwasverständnislos hinterher. "Warum habe ich eigentlich ein Stück Kuchenverdient??" "Hehe, ja, ähm, ich habe heute einen Kuchen ausgegeben,weil Sie mein erstes Sprunggelenk waren"

Kurze Pause, ganz kurz.

"Also,ich hab natürlich schon mal eins gemacht, aber das war so das erste,was ich eben alleine und komplett gemacht habe und es ist auch wirklichgut geworden, und Sie brauchen jetzt keine Angst deswegen zu haben, Dr.H. war auch dabei und es ist alles gut gelaufen.....und ich bring Ihnennachher ein Stück noch vorbei, ja?"

 

Ja. Ich war sein "Gesellenstück" also.....

DerKuchen war zwar etwas trocken, aber ich habe ihn gegessen mit einemselten so ausgeprägt empfundenen "das hab ich mir jetzt aber auchwirklich verdient"-Gefühl.

 

Vielleichtwar es Anfängerglück oder er ist einfach ein guter Operateur,jedenfalls hat er wunderbar Schrauben reingedreht (und nach einem Jahrauch wieder raus!) und mir eine recht gute unscheinbare Narbe verpaßt.Und damit waren wir irgendwie miteinander verbunden: Mein erster Bruch,sein erster Bruch.

 

Insofern istes auch nicht schwer zu erraten, wer gut 1 Jahr später (nachdemich ja nochmal im Krankenhaus war, um mir die Schrauben wiederentfernen zu lassen von ihm)  gerade Dienst in der Aufnahmehatte als ich mit einem gebrochenen Daumen ins Behandlungszimmerkam....." Nee, das glaub ich jetzt nicht, was haben Sie denn schonwieder gemacht??" "Ach, ich hatte Sehnsucht!"


Geschrieben am: 22:36, 3.2.2006

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