Gerade war ich beim Arzt, weil das viele Renovieren wohl meiner "Statik" nicht bekommt wie der Doc sich ausdrückte. Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben.
Im Behandlungsraum nebenan wurden einem Mann gerade die frisch aufgenommenen Röntgenbilder erklärt und da es sich um eine "Landarztpraxis" handelt, leidet man auch gern zusammen und pocht nicht so auf den Datenschutz. Deshalb reichte die Arzthelferin auch die Bilder rein und wir drei, also der Doc, die Arzthelferin und ich konnten fachmännisch die Röntgenaufnahme deuten: Gebrochen !
Die Reaktion nebenan (Oh nee'ne ?!) konnte ich gut verstehen und kam mir sooo bekannt vor......
Es ist gut 3 1/2 Jahre her als ich im gleichen Zimmer nebenan saß und man mir ebenfalls sagte: "Sprunggelenk ist gebrochen" und genau wie bei dem Mann nebenan (der übrigens beim Schlittschuhlaufen gewesen war....) kam noch der Satz hinzu "Da müssen Sie in die Klinik, da kommt'ne Platte rein und Schrauben". Für mich im Stillen habe ich hinter der halb geöffneten Tür, in der inzwischen "unser" Doc stand, die Worte mitgesprochen und erinnerte mich an die Fassungslosigkeit damals.
Und alles nur wegen der Mückenplage.......
September 2002....gerade war ich von einem schönen Plauderabend mit meiner Schwester nach Hause gekommen (nüchtern und selbst gefahren wohlgemerkt) und wollte mich ins Bett fallen lassen nachts um 1 Uhr. Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch: Es gab in dem Jahr reichlich Mücken. Und die Mücken und ich, das ist so eine ähnliche Beziehung wie die Wespen/Bienen und ich : Sie lieben mich, ich nun ja...distanziere mich lieber etwas.....dazu gab es hier ja schon besagte Triologie...
Also summten die Mücken um mich herum im Dunkeln, mindestens zwei.
Licht an- Ruhe, kein Summen. Mit Argusaugen wurden die Wände und die Decken abgescannt: Nichts.
Licht aus- Summen !! Mindestens von zwei Seiten flogen sie ihre Angriffe, immer um meinen Kopf herum, sssssssssssssst, am Ohr vorbei, sssssssssssssssssssssst und nochmal am anderen Ohr.
Licht an, ganz schnell- kein Summen. Mit Agrusaugen wurden.......
Der Aggressionspegel stieg bedenklich, sowohl bei mir als wohl auch bei den Mücken. Ich gehe ganz stark davon aus, dass sie irgendwann so angepestet waren von den Störungen ihrer Jagd und in diagonal gegenüberliegenden Ecken im Halbdunkel hockten, sich ein weißes Tuch um ihre Stirn banden und sobald das Licht ausgeschaltet wurde mit einem spitzen "Kamikazeeeeeeeeeee, haja-chacka" sich Richtung Bett stürzten und so noch einen Heidenspaß dabei hatten. Ich jedenfalls nicht !!!
Mit den Hauslatschen bewaffnet, machte ich mich immer wieder auf die Suche und endlich : Da saßen sie....zu zweit...traut vereint.....lachten sich wahrscheinlich gerade kaputt unter ihren weißen Stirnbändern.....nicht mit mir, dachte ich mir und schlich mich langsam an......auf das Bett gestiegen......noch einen Schritt zum Fussende hin......klatsch !!!!!!! und nochmal klatsch.....das zweite Klatsch war nicht für die 2. Mücke, ich hatte beide mit einem Schlag erledigt (strike!)
Nein, das zweite Klatsch war ich. Meine Füße waren zwischen Bettgestell und Matratze gerutscht, ich verlor das Gleichgewicht, fiel neben das Bett und leider blieb mein rechter Fuß zwischen Bettgestell und Matratze hängen.....das macht keine gesunde Krümmung....da helfen auch keine geschmeidigen Gelenke mehr.....trotz höllischer Schmerzen und heftigster lautstarker Flüche vertrat ich vor mir die Meinung, dass es sich um eine schmerzhafte Bänderdehnung handeln mußte, hatte ich öfter mit zu tun. Also kühlen und versuchen zu schlafen und morgen mal sehen !
Herrlich: mückenfrei schlafen. Ganz ätzend: mit Sauschmerzen nicht einschlafen können.
Am nächsten Morgen war ich dann doch etwas besorgt als mein Fuß trotz Eisbeutel dicker geworden war und wehtat, wenn ich ihn einfach nur vom Bett runterbaumeln ließ......auf dem Hintern und mit Armkraft dann die Treppe hoch, oben ankommend auf dem Fußboden sitzend anfangen zu heulen. Erstmal Kollegin anrufen und sich von der Arbeit abmelden (na, ist das eine loyale Mitarbeiterin ???? Boaaah, dass so'n Bruch auch auf's Hirn geht, wußte ich bis dahin noch nicht).
Dann Freundin anrufen, von der ich wußte, dass sie Unterarmgehstützen hat (ja, frau ist nun mal organisiert und denkt systematisch......) und Krankenschwester ist und ja vielleicht eine Ferndiagnose machen könnte und ein Patentrezept hätte (okay, doch nicht sooo systematisch denkend ...wegen der Schmerzen eben....)
Ein Taxi angerufen, dass mich dann morgens um 7.30h zum besagten Landarzt fuhr...Röntgen....."Tja, das ist gebrochen, Sprunggelenk. Das muss operiert werden, da kommt'ne Platte rein und Schrauben...."
Der Gedanke, dass mein wunderschönes Fussgelenk mit Schrauben durchbohrt werden sollte, ließ mir leicht die Sinne schwinden und zu fatalem Humor wechseln in der Stimmungslage, die ja inzwischen Stinkwut, Heulanfälle wegen der Schmerzen und Zähnezusammenbeißen, weil's ja nicht so schlimm sein kann, durchlaufen hatte.
Meine alarmierte Freundin tauchte in der Praxis auf mit den Unterarmgehstützen und fuhr mich ins Krankenhaus. Dort durfte ich dann noch ca. 4 Mal meinen Text aufsagen:
" Ich habe hier Röntgenaufnahmen, mein Sprungegelenk ist gebrochen"
"Aha, wann ist das passiert?"
"Heute Nacht, so gegen 1 Uhr."
1.Augenbrauenhochziehen "Aha, und wo ist es passiert?"
"In meinem Schlafzimmer"
2. Augenbrauenhochziehen "Im Schlafzimmer??? Und wie ?"
"Es war ein Jagdunfall."
Große staunende Augen mit Fragezeichen
"Ich habe 2 Mücken gejagt"
Hier variierte die Reaktion in der Aufnahme zwischen stutzendem Blick und vermutlich der Überlegung wie er es in den Aufnahmebericht schreiben sollte bis hin zum prustenden Schenkelklopfen des Chirurgen, der gleich dem durch die Tür kommenden Anästhesisten glucksend sagte: "Hier, haben hier'n Sprunggelenksbruch, sie hat Mücken gejagt "
Was soll ich sagen, ich erfreute mich eines gewissen Bekanntheitsgrades beim Krankenhauspersonal während meines Aufenthaltes. Bei der Visite hieß es meist nur : "Und hier ist das Mückengelenk".
Ob dem armen Mann von vorhin der Spott erspart bleiben wird.....??
Ich denke nein. |