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Gerade beim Herrn Paulsen von "nervig-liebgewonnenen" Weihnachtsritualen gelesen. Und mich an Heilig Abend bei meinen Eltern erinnert gefühlt. Wobei ich es schon seit einigen Jahren gar nicht (mehr?) nervig finde. Anstrengend manchmal, aber liebgewonnen.
Vor
einigen Jahren war Weihnachten noch recht anstrengend, weil 2Familien
an einem Abend besucht wurden, meine Eltern, seine Eltern.... Dann
entwickelte es sich irgendwann so, dass ich nur noch meine
Elternbesuchte und meine Single-Schwester nicht mehr alleine alleine
unter'mTannenbaum saß. Ein Jahr später kam übrigens auch mein Bruder
wiederunter den elterlichen Tannenbaum, alleine....
Nun war
unsere kleine Familie also wieder traut vereint und wir waren wieder
die ewigen Kinder, von denen Herr Paulsen schrieb. Allerdings auch mit
Genuss: Ma konnte wieder 'ne ganze Pute in den Ofen schieben
(seeeehr lecker), ich mußte nicht mehr auf die Uhr schielen, um die
nächste Familie noch rechtzeitig aufzusuchen, meine Schwester und ich
konnten unseren Vater unterhalten und ihm z.B. das 47. Mal sein Handy
erklären (das geht einfach so aus, die Nummern sind einfach so weg, das
geht gar nicht mehr an.....ein gespenstisches Handy, ehrlich..:-))
damit unsere Mutter mit einem Blutdruck von ca. 247:212 den
Rotkohl und die Pute "in aller Ruhe" beaufsichtigen kann (Hoffentlich
reicht die, die sieht so klein aus,oder Variante: hoffentlich wird die
durch, die ist ja so groß, hoffentlich wird sie nicht zu trocken....)
während unser Bruder völlig vertieft etwas ganz anderes liest, über das
er dann ebenso aus dem Zusammenhang gerissen etwas zum Besten gibt:
2
Schwestern links und rechts neben dem technikverzweifelten Vater mit
dem gespenstischen Handy in der Hand, die ihm ebenso verzweifelt zum
47. Mal erklären, dass ein Handy einfach "ausgeht", wenn man lange
genug die rote Auflegetaste drückt oder wie man eine SMS verschickt ist
auch sehr beliebtes Thema. Völlig vertieft also in den Untiefen
der Mobiltelefonie, erweckt der Bruder plötzlich zum Leben und zitiert
aus dem (niegelnagelneuenungelesenen) Buch in seinen Händen "Hier, hast
Du das schon gelesen?(niegelnagelneu...) das ist ja echt gut, 'ne ? Die
Stelle hier? Wo er....". Nein haben wir nicht. Erzähl ruhig....während
der Vater dann endlich seine 34. erste SMS ohne Worte an eines unserer
handys verschickt hat und sich erst freut. Bis zu dem Zeitpunkt, wo ihm
klar wird, dass das ja etwas gekostet hat (aber ich hab doch gar nichts
geschrieben!) Irgendwann ist es dann endlich so weit: Die durchgegarte, ausreichende und leckere Pute kommt auf den Tisch!! 
Alle Jahre wieder.......(Quelle: Heilig Abend 1976, da war ich aber echt noch Kind) Nach
dem Essen wird's auch für die Köchin ruhiger und die ewigen Kinder
versammeln sich mit den Eltern am nächsten Tisch und es gibt
Bescherung, was heißt, dass sich alle gerade am Tisch versammelt haben
und unsere Mutter fragt, ob wir jetzt Bescherung machen wollen, was
bedeutet, dass alle wieder aufspringen und zu ihren Taschen, Tüten und
Körben in den Übernachtungszimmern (für die weitgereisten ewigen
Kinder) oder Hauswirtschaftsräumen oder Kleiderschränken (bei den
ewigen Eltern, gut gehütetes Geschenkeversteck, ehrlich) eilen,
um das Geschenkeritual durchzuführen. Was Gott sei Dank nie in
einer Geschenkeflut geendet hat.
Meine Schwester und ich
vergleichen uns an diesem Abend gelegentlich mit den Hoppenstedts von
Loriot, insbesondere bei den Zickereien unserer Eltern zwischendurch.
Nicht heimlich hinter vorgehaltener Hand, offensiv. Sorgt manchmal für
offene, kurz entsetzte Münder und dann für Gelächter und manchmal
gleich für einsichtiges Grinsen. Je nachdem wieviel Weinflaschen
bereits geöffnet sind....
Das Wichtigste für uns an Weihnachten
ist wohl doch noch, dass wir allemal wieder zusammen sind. Mit allen
unseren Eigenarten und dem dazugehörigen Gezicke. Und in Anbetracht der
Tatsache, dass man nie weiß wie lange einem das Ritual "Hoppenstedts
Weihnachten" vergönnt ist: Genießt es.
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