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Sitzungssprache und -kultur

Neulich hatte ich mal wieder eine dieser Sitzungen- nein, es war natürlich ein Jour fixe !

Also ein Jour fixe, wo alle mit Betreten des Raumes plötzlich eine andere Sprache sprechen als sie es vermutlich sonst gewohnt sind. Irgendwie cooler. Hipper.

 

Morgens früh fuhr ich also hin und freute mich auf einen Tisch, auf dem mit Sicherheit frisch gekochter Kaffee stehen würde, denn es war sehr früh für mich und meinen Bio-Rhythmus.

 

Mit Betreten des Raumes wurde ich betreten, denn es gab keinen Tisch mit Kaffeekannen: Ich sah einen Stuhlkreis- ohne Tische. Mir wurde klar, dass es wieder einer "dieser" Sitzungen, sorry, Jour Fixe werden würde....

 

Meine Befürchtungen wurden bestätigt als ich eine Flip Chart erblickte mit einer halb verdeckten Tagesordnung, nein Agenda na klar.

Zu Beginn und nach einigen einleitenden Worten wurden die im Halbkreis sitzenden Kolleginnen und Kollegen nach ihren Erwartungen zum Tagungsverlauf gefragt.

Puuuh, ich saß am Ende des Halbkreises....

Alle waren fürchterlich ernst und gaben mit gerunzelter Stirn ihre Erwartungen zum Besten, die selbstverständlich alle etwas mit den Inhalten des Tages zu tun hatten.

Mir war das alles zu trocken. Im wahrsten Sinne des Wortes.

"Meine Erwartungen an den heutigen Tag war zunächst, dass ich hier eine Tasse Kaffee bekomme,weil ich so früh aufstehen mußte"

Selbstverständlich folgte ein "Das finde ich gut, dass Sie das erwähnen..." der Kaffee stand ganz locker und stylisch auf einem Nebentisch, so dass man jederzeit sich etwas nehmen konnte, ohne auf Pausen zu warten.

 

Nun saßen wir also im Halbkreis, ohne Tische, die Schreibunterlagen rechts neben unseren Füßen und die Kaffeetasssen links neben unseren Füßen, immer obachtgebend, dass der Nachbar nicht aus Versehen auf die Untertasse tritt. Ganz locker eben.

 

Stück für Stück wurde die Agenda enthüllt, damit die Überraschung und damit der Spannungsbogen größer ist.

 

Nach der Einführung gab's na klar ein brainstroming und das Ergebnis wurde später geclustert (nein, hat nix mit Frühstückscerealien zu tun) und dann mit lustigen bunten Klebepunkten aus dem unerschöpflichen Moderatorenkoffer bewertet in der Priorität.

In Arbeitsgruppen wurden dann die Untergliederungspunkte an Stellwänden weiter bearbeitet und abschließend von einem Gruppensprecher vorgetragen.

Zum Schluss gibt's ein Foto-Printprotokoll. Und nicht zu vergessen, die Frage, ob man sich wiedergefunden hat mit seinen Erwartungen des Morgens. Die natürlich auch "heimlich" auf einer Flip-Chart festgehalten worden waren und einem nun wieder vor Augen geführt wurden.

 

Sitzungskultur mit Moderatorenkoffer und eigener Sprache- immer wieder ein Erlebnis und irgendwie so unglaublich wichtig und hip.


Geschrieben am: 22:18, 6.9.2005
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