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Regionale Köstlichkeiten
Bei Isabo
heute etwas über Erfahrungen mit Schüleraustauschen (-austäuschen??-
austauschs??) gelesen und da mußte ich doch glatt an meinen eigenen
denken vor .....vor.....puuuuh..ziemlich vielen Jahren.
Mit
meinem Austauschschüler habe ich mich richtig gut verstanden, aber so
das erste Mal länger und vor allem weit von zuhause weg und nicht
gerade so experementierfreudig, allein was das Essen schon
anbelangte.......nun ja, war etwas gewöhnungsbedürftig. Manches Mal
habe ich dann auf die mitgebrachten Vorräte an deBeukelaer-Keksen,
Mini-Milky-Way oder sowas zurückgreifen müssen. Vor allem, wenn's
diese fiese, salzige und sämige orangefarbene Suppe gab (ungefähr
jeden 2. bis 3. Tag als Vorspeise oder Hauptgericht). Als
ich sie das erste mal essen mußte und sie mir die Speiseröhre
runterdümpelte, mußte ich meinen Würgereflex heftigst unterdrücken, man
will der Hausfrau und den fremden Sitten ja nicht zunahe
treten.....nach dem ungefähr 3. Mal dieser Trainingseinheit "Wie
unterdrücke ich meinen Brechreiz und behalte meinen Gaumenzipfel im
Zaum" zeigte dieses Training Erfolg: Es war nicht mehr ganz so schlimm.
Der Würgereflex war dem schnöden Beleidigen der Geschmacksnerven
gewichen.
Diese sämige salzige Pampe hat mich also die
ganzen 3 Wochen begleitet und am Ende war ich die echt weltbeste
orangene-sämig-salzigeSuppenesserin . In zwischenzeitlich
geführten Telefonaten mit den Eltern konnten wir auch nicht feststellen
ob meiner bildhaften Beschreibungen (die schmeckt echt eklig) was
ich nun einverleibt bekam. Das große Rätsel von Frankreich!!
Nach
ca. 6 Monaten kam dann ja Philippe zu uns und mein Vater hatte nichts
Besseres zu tun als ihn ungefähr am ersten Abend bei uns zu fragen (in
einer Mischung aus plattdeutsch, hochdeutsch, französisch (prust, als
könne mein Pa französisch) und englisch):
"Hier,
Philippe, segg mol, B. erzählte immer von so'ner soup, at
dinner, orange (da war's französisch also orooonsch), yes äh oui
oui, soup oroonsch, wat wär dat?"
Nach einigen weiteren
Erklärungs- und Beschreibungsversuchen meines sprachgewandten Vaters
(fish soup ? or krabben wat heet denn Krabbe up französisch?) war das
Geheimnis endlich gelüftet: Soup de carotte hatte für meinen
Würgereflex gesorgt. Wie einfach. Keine Krabben, kein Hummer,
keine Fischsuppe, einfach Karottensuppe. Hm. da fehlte einfach ein
wenig Dramatik wie ich fand. Außerdem fand Philippe die ganze Aufregung
sehr belustigend. Aber Würgereflex bleibt Würgereflex, da hilft auch kein Gemüse.
Ein bißchen ausgleichende Gerechtigkeit gab es dann noch hinsichtlich der kulinarischen Köstlichkeiten der jeweiligen Region. Als
ich in (Süd-)Frankreich war und Philippe und seine Mutter mich unter
Zuhilfenahme einer Landkarte baten zu zeigen, wo meineHeimatstadt lag,
trat blankes Entsetzen in ihre Gesichter nachdem ich fast auf die
dänische Grenze gezeigt hatte; es folgte ein "kalt,kalt??!" Ja, die Packeisgrenze ist nicht weit.... ....zwar
hatte er bei Ankunft bemerken müssen, dass auch bei uns im April kein
Schnee mehr liegen muss und wir in einem Haus und nicht in einem Iglu
wohnten, aber irgendwie hat ihn dieser sehr nördliche Aspekt nicht
wirklich losgelassen......
Hier also angekommen und gerade noch
amüsiert über meine Rätseleien hinsichtlich der Suppe, wollte mein Pa
nun auch Philippe in unsere besonderen kulinarischen Geheimnisse
einweihen: Schwarzbrot ! "Philippe, hör mol to: Heute Abend, you know, black bread" Große Augen sahen meinen Vater fragend an... " wat heet denn Schwattbrot?" fragte mein Pa mich. Meine
Antwort war na klar : Pain noir. Anscheinend hatte Philippe meine
Antwort nicht mitbekommen, denn mein Vater wandte sich nochmals an ihn,
um seine neugewonnenen Sprachkenntnisse anzubringen: "Philppe, heute Abend päng nuuah " Es
waren nicht mehr fragende Augen, es war schiere Panik in Philippes
Blick. Er wiederholte ungläubig das Wort, das mein Vater ausgesprochen
hatte. Und Pa, ganz stolz, dass er verstanden worden war: "Oui, oui
päng nuuah"
Mit Schweißperlen auf der Stirn und flehendem Blick
sah Philippe mich an und auch ich nickte nur etwas verständnislos
darüber, warum dieAussicht auf eine andere Sorte Brot als die, die er
hinlänglich kannte so einen panischen Gesichtsausdruck hervorrufen
konnte. Hastig zog er sein kleines Wörterbuch hervor und blätterte
ebenso hastig darin herum bis er gefunden hatte was er suchte. Er
deutete mit dem Finger auf das Wort und fragte mich erneut entsetzt:
"Pinguin ???"
Nun ja, mein Vater bemühte sich seitdem um eine deutlichere Aussprache oder es lieber gleich zu lassen.....
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Geschrieben am: 21:26, 9.3.2006 |
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